Mittwoch, 9. April 2008

Semana Santa

Zacatecas

Es wird etwas schwierig werden die ganzen Eindrücke meines Oster-Road-Trips durch die Kolonialstädte Mexikos und Mexiko-Stadt so zusammenzufassen, dass das wichtigste drin ist und auch noch jemand liest, was ich geschrieben habe. Aber ich werds mal versuchen…(Und wer zu faul ist zu lesen, kann sich ja die Bilder mit den Bildunterschriften anschauen)

Los gings also gleich früh morgens am ersten Ferien Tag (wir wollen ja hier jede nur denkbare Minute nutzen, die wir aus Monterrey raus können) mit dem Auto nach Zacatecas. Es war das erste Mal, dass ich die Landschaft, die so um Monterrey ist gesehen habe und es hat mich total erstaunt! Nach Monterrey kommt erstmal stundenlang nichts! Kakteen, trockene Hügel und Berge und sonst nix. Sogar die Autobahnraststätten sind verlassen und verfallen…

Zacatecas liegt zwischen mehreren Hügeln und erinnert einen durch den Kolonialstil der Häuser recht stark an Spanien, nur, dass die Häuser (vor allem rund herum, also quasi in den „Wohngebieten“) viel bunter sind. Die Häuser in Mexiko sind wirklich in allen erdenklichen Farben gestrichen aber das high-light war eins, das komplett im schrecklichsten barbi-rosa angestrichen war.

Nach unserem ersten Rundgang durch die Stadt und dem einen oder anderen Bierchen auf der Terrasse unseres Hostels sind wir abends schließlich noch in die „Minen-Disco“. Dazu muss man wissen, dass die Kolonialstädte hauptsächlich auf Grund von reichen Silbervorkommen entstanden sind. Und in einer dieser alten Mine ist jetzt eine Disco. Seeehr cool! Man fährt mit nem kleinen Zügle zirka 10 Minuten in den Berg hinein und kommt dann in eine große Höhle in der die Disko ist. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass die Nacht lange und feucht-fröhlich wurde ;-)

Guanachuato

Am nächsten Tag sind wir dann noch mit der echt schweizerischen Gondelbahn vom einen Hügel der Stadt auf den nächsten gefahren bei der man eine großartige Sicht über die Stadt hat.

Danach gings dann weiter nach Guanachuato. Meine Lieblingsstadt auf dieser Reise. Man kommt erstmal nur durch ein weit verzweigtes Tunnelsystem in die Stadt hinein, was dem ganzen das Flair einer alten unbesiegbaren Festung gibt. Da es gerade Palmsonntag war, als wir die Stadt besichtigt haben, gab es überall Menschen, die Palmwedel verkauft haben und die Kirchen waren brechend voll egal wo und zu welcher Tageszeit. Die Leute standen sogar vor der Kirche! Hier habe ich auch eine der schönsten Markthallen gesehen! Die beschreib ich aber nicht, da reichen die Fotos. Abends haben wir mal wieder die Aussicht auf die Stadt von einem der umliegenden Hügel bei Sonnenuntergang genossen und danach den Abend gemütlich im Hostel gekocht.

Querétaro

In Querétaro konnten wir im Haus – oder besser gesagt in der Riesen-Villa – eines Freundes von Matthias übernachten. Da die aber etwas außerhalb war und wir ziemlich k.o. von der Autofahrt haben wir nur einen Nachmittag in Querétaro verbracht, das auch sehr schön ist, aber dann auch irgendwie nicht mehr soo besonders nachdem man schon die anderen Städte gesehen hat. Schön war allerdings, dass Esteban (der Freund bei dem wir übernachtet haben) uns durch die Stadt geführt hat und wir deswegen Ecken gesehen haben, die wir bestimmt sonst nicht entdeckt hätten.

Nachdem Esteban Koch wird, hatten wir an dem Abend ein ausgezeichnetes „Carne Asada“ (Grillen) und erstklassigen Wein (der preislich und qualitativ sicher einiges über dem 2,89€ Lidel-Wein lag, den ich mir in Deutschland immer kaufe) – die Franzosen waren im Glück. Am nächsten morgen, sind wir dann noch im privaten Swimmingpool der Nachbarschaft (in der alle Häuser ungefähr doppelt so groß sind wie meins daheim) und im privat See (um den die privat Golfanlage angelegt ist) baden gegangen und sind gegen Nachmittag schließlich weiter nach Mexiko-Stadt gefahren.

Mexiko-Stadt

Den ersten Eindruck den ich von Mexiko-Stadt hatte war: „Wow ist das riesig!“, die Stadt scheint kein Ende zu nehmen, was daran liegt, dass die Mexikaner auf Grund des vielen Platzes den sie in ihrem großen Land haben nicht in die Höhe sondern eben in die Breite bauen. Das fällt schon in Monterrey auf, aber hier ist es einfach mega.

Da wir ziemlich erledigt waren haben wir uns erst am nächsten Tag auf Entdeckungstour gemacht und eigentlich die ganze Zeit nur damit verbracht die Sehenswürdigkeiten rund um den Zocalo anzuschauen. Der Zocalo war schon zu Zeit der Azteken der Hauptplatz der Stadt und ist es auch heute noch. Auf der einen Seite des Platzes steht der Regierungspalast in dem einige der berühmtesten Wandgemälde von Diego Rivera zu sehen sind. Diese gigantisch großen Wandgemälde zeigen die Geschichte Mexikos und Szenen aus dem Leben des präkolonialen Mexikos.

Auf der anderen Seite gibt es dann noch die Kathedrale zu sehen und schließlich die Ruinen der alten Azteken Hauptstadt Tenotchtitlan. Leider sind sie schon so durch Überbauungen zerstört worden, dass man sich die Pracht dieser Indianerstadt nur noch sehr schwer vorstellen kann. Von den tausend anderen Sehenswürdigkeiten, die wir sonst noch angeschaut haben will ich nur noch das Bildungsministerium erwähnen. Hier waren noch mal in zwei Patios und auf drei Etagen Wandgemälde von Diego Rivera zu sehen. Ich glaube, der gehört seit dem definitiv zu meinen neuen Lieblingskünstlern, erstmal wegen seines klaren, farbenfrohen Malstils und zweitens, weil ich es toll finde, dass er es sich zur Aufgabe gemacht hat mit seinen Bildern die bewegte Geschichte und das Leben in Mexiko früher und auch heute wiederzuspiegeln.

Abends waren wir leider immer viel zu erschlagen von den ganzen Eindrücken, die wir tagsüber gesammelt hatten, sodass wir nie abends wirklich weg gegangen sind und so nie das Nachtleben in Mexiko-Stadt miterlebt haben…

Teotihuacan

Unsere letzte Station hat uns dann nach zu den Tempel-Ruinen von Teotihuacan, etwa eine Stunde außerhalb von Mexiko-Stadt geführt. Der Plan war, dort auf ein Musikfestival zu gehen und so haben wir uns für unschlagbare 25€ zwei mistige Zelte im Supermarkt gekauft um dort zu übernachten. Das Ganze war jetzt nich sooo der Hit. Das Musikfestival war nicht der Renner, erstmal wegen der Musik und zweitens haben wir das Durchschnittsalter zirka um 3 Jahre gehoben und auch die Idee mit dem Zelten war mehr als schlecht. Wir hatten nämlich nicht bedacht, dass es trotz der ca. 30 – 35°C Tagestemperatur nachts auf Grund der hohen Lage schweinisch abkühlt. Und so war diese Nacht eine der kältesten und unbequemsten (ich konnte mir die Steine eher in den Po oder in der Rücken gestochen haben) die ich je erlebt habe. Die Musik ging ungefähr bis 4:30 Uhr morgens und ich habe eigentlich die ganze Zeit nur durchgezittert – ein traumhaftes Gefühl!!!

Nachdem das Festival also nicht sooo der Erfolg war, haben wir uns wenigstens noch die Ruinen angeschaut und die haben doch für einige Unannehmlichkeiten der Nacht entschädigt: Das Areal ist riesig, mit zwei krassen Pyramiden und dazwischen unzähligen kleineren Stufenpyramiden.

Ja, das war mein unheimlich toller und ereignisreicher Ostertrip. Leider viel zu kurz und leider auch nicht ganz so erholsam wie erhofft aber trotzdem genial! Den Rest könnt ihr euch dann in Bildform anschauen. (wenn ihr überhaupt bis hier untern durchgelesen habt…)

Montag, 7. April 2008

Xilitla

Nachdem ich es ja immer noch nicht geschafft habe über Semana Santa zu schreiben (aber ich verspreche ich mach es bald) werde ich jetzt zuerst über meinen letzten Wochenendtrip nach Xilitla schreiben. Wir waren nur drei Tage unterwegs und wir mussten sehr viel Auto fahren, aber es hat sich mehr als gelohnt. Die Landschaft Mexikos erstaunt und begeistert mich immer wieder aufs Neue. Sobald man Monterrey verlässt, fährt man für Stunden durch nichts. Nur Straße, trockene Steppe (oder Savanne – ich hab in Erdkunde nicht genug aufgepasst) mit Kakteen und imposanten Bergketten. Schon in Semana Santa hat mich diese unendlich scheinende Weite mit so gut wie keiner Zivilisation begeistert. Aber auf der Strecke nach Xilitla ändert sich die Landschaft langsam – es wird immer grüner, die Formen der Berge und Hügel werden weicher, die Luft wird immer wärmer und feuchter und irgendwann ist man im Urwald. Die Straße führt durch winzig kleine Bauerndörfer in denen das Leben noch großteils auf der Straße stattzufinden schein. Fließendes Wasser und Strom gibt es in den meisten Teilen nicht. Die kleinen Häuser sind zwischen Bananenstauden, Palmen und anderen tropisch wirkenden Bäumen versteckt und immer wieder.

Meine Beschreibung kommt leider nicht annähernd an die Realität heran – es ist eine der schönsten und andersartigen Landschaften die ich bisher gesehen habe.

Nach 7 Stunden Autofahrt kamen wir jedenfalls in Xilitla, das hoch an einem Hang liegt, an. Sobald man aus dem klimatisierten Auto aussteigt, erschlägt einen schier die feuchte Hitze.

Für unsere Verhältnisse ist Xilitla ein kleines Dorf aber für die Gegend dort wohl die „große Stadt“. Die engen Straßen sind voll mit Menschen, überall sind Straßenhändler und die Häuser mit den vielen kleinen Läden sind dicht aneinander gedrängt.

Fleisch wird einfach so an einem Haken aufgehängt ohne jegliche Kühlung verkauft und die Händler verscheuchen immer wieder die Fliegen die sich auf das Fleisch setzten wollen mit ihren Muckenbatschen – lecker. Das Ganze hat uns jedoch nicht abgeschreckt und wir haben trotzdem reichlich eingekauft um einen feuchtfröhlichen Grill-Abend auf der Dachterrasse unseres Hostels zu verbringen.

Nachdem wir gemütlich ausgeschlafen haben, haben wir am Samstag dann die surrealistischen Gärten von Edward James besucht. Das war ein Engländer der in der 40er Jahren nach Xilitla kam und von der Natur so begeistert war, dass er mitten in den Urwald einen Garten mit allen möglichen Figuren, Terrassen und Gebäuden im Stil von Dalí gebaut hat. Der Garten ist inzwischen leicht verwildert und so fühlt man sich wie in den Ruinen einer Elben-Stadt aus „Herr der Ringe“. Und umso weiter man die Pfade hinauf läuft, desto verwilderter und unberührter wurde die Natur und so befanden wir uns schließlich über einem Wasserfall und liegen immer weiter flussaufwärts durch den Urwald – einfach wunderschön!

Das Wasser war so klar und schön, dass ich es mir natürlich nicht verkneifen konnte immer wieder darin rumzuwaten und so hat es mich – oh Wunder – schließlich reingefetzt…

Das haben wir dann aber zum Anlass genommen und sind alle in dem erstaunlich kalten Wasser Baden gegangen (aber diesmal nur mit Badsach).

Am Sonntag gings, nach einem kurzen Spaziergang über den Markt – der die Stadt noch enger, voller und bunter erscheinen lässt – schon wieder auf die Rückreise. Die haben wir allerdings mit zwei wunderschönen Schwimmpausen unterbrochen. Die eine an einer Quelle, an der die Mexikaner aus den umliegenden Dörfchen zum Baden und Wäschewaschen kommen, und die andere mal wieder an einem Wasserfall. Traumhaft schön! Es hatte zwar unheimlich viele Mexikaner, die hierher offensichtlich ihre Sonntagsausflüge machen, aber das konnte der Natur keinen Abschlag machen!

Insgesamt, war es also mal wieder ein genialer Trip und – im Gegensatz zu Semana Santa, wo es schon fast zu viel zu sehen gab – durch und durch erholsam. Schade, dass es vermutlich der letzte Trip für eine ganze Weile sein wird, da wir bald in die Endphase des Semesters kommen und die Franzosen (und so gut wie alle Internationals hier) Ende Mai schon wieder nach hause gehen.