Montag, 2. Juni 2008

Urlaub in Chiapas und Oaxaca

Sodele, mein 4. Semester ist jetzt auch geschafft. Nach den letzten (eher einfachen) Prüfungen und gefühlten 101 Teamarbeiten die wir noch abegeben mussten hab ich die ersten 5 Monate hier erfolgreich hinter mich gebracht. Und nachdem ich gestern schon wieder mit der Summerschool angefangen habe (und wirklich hoch motiviert bin) bin ich die letzten zwei Wochen mal wieder auf Reisen gewesen.

Diesmal gings nach Chiapas und Oaxaca, zwei der schönsten Bundesstaaten im Süden Mexikos.

Auf Grund des tropischen Wetters ist hier alles unheimlich grün und urwaldig und es gibt überall frische Früchte wie Mangos, Annanas, Kaktus und viele mehr, deren Namen ich nicht kenne.

Allerdings is das tropische Wetter nicht nur von Vorteil - als wir aus dem Flugzeug ausgestiegen sind, kamen wir uns vor als würden wir gegen eine Wand laufen. Vom klimatisierten Flugzeug steigt die Temperatur um ca. 20°C und die Luftfeuchtigkeit um 100%. Sofort fließt einem der Schweiß in Bächen über Gesicht, Rücken und einfach überall! Zur Verdeutlichung, stellt euch vor, ihr steht in Stuttgart in der Wilhelma im Tropenhaus - so ungefähr und noch schlimmer.

Meine erste Nacht in Palenque war also kuschelig warm. Am Tag drauf, haben wir dann die Ruinen von Palenque besucht. Die sind einfach gigantisch! Mitten im Urwald liegen diese noch richtig gut erhaltenen Pyramiden und man kommt sich vor wie ein Forscher, der diese Ruinen zum ersten Mal entdeckt und kann fast überall hinein und alles erkunden (gut, die anderen Touristen zerstören diese Illusion ein wenig...) Und als wir gerade ein wenig tiefer im weniger gut freigelegten Teil der Anlage waren, hören wir plötzlich ziemlich lautes Gekreische und Geschrei. Zuerst dachten wir das kommt vom Band und is irgendeine Touriatraktion, aber als wir dem Geräusch folgten, stellten wir fest, dass es wilde Affen waren! Man stelle sich vor, über uns, in drei oder vier Meter Höhe sitzt ein ganzes Rudel davon und klettert und streitet sich in den Ästen ohne sich auch nur im geringsten von irgendwelchen gaffenden Menschen stören zu lassen! Total cool!

Nach Palenque, gings dann weiter südlich Richtung Comitán. Auf dem Weg fähr man durch unvorstellbar schöne Landschaft und wir haben auch ein paarmal angehalten. Unter anderem an Auga Clara, einfach ein Fluss, aber unheimlich türkis und man kommt sich vor wie in einer Filmszenerie die es so in echt gar nicht gibt. Dort haben wir dann auch gebadet um unseren Dauerschweiß mal wieder abzuwaschen.

In Comitán oder besser etwas außerhalb, eigentlich mitten in der Pampa, haben wir dann in einer Anlage mit lauter zu vermietenden Holzhütten übernachtet. War echt schön und auf grund der höheren Lage auch zum Glück um einiges Kühler, nur die eine oder andere Schnake denen mein Blut mal wieder unheimlich gut geschmeckt haben zu schien störte ein wenig die Nachtruhe. Tagsüber haben wir die Lagunen von Montebello besucht. Ein Naturpark mit unzähligen Seen in den verschiedensten Farben. Von braun, grün, verschiedenste blautöne bis angeblich auch ins rot gehende. Das mit dem rot konnten wir allerdings nicht wirklich sehen. Trotzdem war es sehr schön!

Nächster Stop war San Christobal de las Casas. Eine kleine Stadt umgeben von lauter Indígenes Dörfern. Also Dörfern in denen quasi noch Indianer auf traditionelle weise wohnen und sich nur sehr wenig mit den Spaniern vermischt haben. Auf grund dessen, sind die Menschen dort auch in der Regel nicht größer als 1,50 eher kleiner und haben auch ganz andere Gesichtszüge. Diese Indianer kommen dann jeden Tag nach San Christobal um dort ihre traditionellen Produkte - hauptsächlich, Decken, Kleidung und Schmuck zu verkaufen. Es ist echt ein toller Markt, mit all den Farben und den Frauen die in ihren traditionellen Kleidern rumlaufen.

Von San Christobal haben wir auch Ausflüge in die benachbarten Dörfer gemacht, wovon eins ganz besonders beeindruckend ist. Die Bevälkerung hier hat die von den Spaniern errichtete christliche Kirche einfach für ihre eigenen Zwecke umgebaut. Alle christlichen Zeichen und auch die Bänke in der Kirche sind entfernt oder achtlos an die Wand gestellt. Der Boden ist mit Heu bedeckt und die ganzen Wände entlang stehen Kästen mit ihren Heiligen geschmückt mit unendlich vielen Blumen. Überall stehen und sitzen Menschen die vor tausenden von Kerzen laut beten. Eine Frau hatte soger ein Huhn dabei! Es ist sehr schwer zu beschreiben und leider durften wir auch keine Fotos machen, weil die Leute dort glauben, dass Fotos die Seele rauben. Aber die Atmosphäre dort ist unbeschreiblich - und völlig unchristlich ;-)

Außerdem sind wir noch zu einem nahe gelegenen Canyon gefahren und haben eine drei Stündige Bootsfahrt gemacht bei der wir echte, wilde und riesige Krokodile gesehen haben!

Das krasse in Chiapas ist, dass die Landschaft aufgrund der Höhenunterschiede so abwechslungsreich ist: Palenque ist so völlig anders (und so viel heißer) als San Christobal ( wo wir auch tagsüber manchmal mit Pulli rumgelaufen sind) oder als die Landschaft des Canyons.

Nach der ersten Woche, haben uns dann unsere zwei französischen Jungs und Debborah verlassen. Die Franzosen um zurück nach hause zu gehen, was echt schade ist weil wir durch unsere ganzen Trips richtig gute Freunde geworden sind.

Zu dritt, also mit Nadine und Charlotte gings dann weiter mit dem Nachtbus nach Oaxaca (eine unheimlich bequeme 12 Stundenfahrt...) dort haben wir dann die letzten fünf Tage verbracht.

Oaxaca ist ganz nett, aber durchaus nicht umwerfend und 5 Tage waren etwas zu viel. Das coolste war eigentlich der Markt. Riesengroß und es gibt einfach alles zu kaufen - Tiere, Blumen, Fleisch (natürlich ungekühlt), Käse, Obst, Gemüse, Klamotten, Elektrozeug und jede Menge anderen Müll. Ich könnte Tage auf solchen Märkten verbringen, so eng, so laut, so chaotisch und einfach unendlich viel zu sehen!
In der Nähe von Oaxaca gibt es dann auch mal wieder Ruinen zu besichtigen - Monte Albán. Is ganz nett, aber es reicht dann auch mal mit den ganzen Steinen und leider war fast gar nichts begehbar, sodass es etwas langweilig war.
Da wir ja nur noch zu dritt waren, und die anderen auch die Autos mitgenommen haben, haben wir auch einmal einen organisierten Trip mitgemacht, der einen zu verschiedenen Dörfern und kleineren Sehenswürdigkeiten in der Umgebung gebracht hat, wie zum Beispeil eine Teppich Manufaktur, einen riesigen Baum mit 58Metern Umfang und mal wieder zu Ruinen. Das ganze war ein sehr lustiger Tag, weil außer uns noch drei total verrückte Israelis mitgegangen sind. alle so um die Mitte 20 aber aufgeführt haben sie sich wie 17. Wir hatten viel rumzualbern und zu quatschen :-)
Nach Oaxaca hat uns schließlich auch Charlotte verlassen um nach Frankreich zurück zufliegen und Nadine und ich sind zurück nach Villahermosa (mal wieder 12 Stunden grandiose Busfahrt) wo unser Flieger ging. Und Villahermosa war der absolute Tiefpunkt meines bisherigen Aufenthalts in Mexiko. Erstmal ist es dort hässlich, ich finde noch schlimmer wie Monterrey, dann gibt es absolut NICHTS zu sehen, es ist mal wieder tropisch Schwül, es regnet wenn mans grad gar nicht brauchen kann, das Hotel war eine schreckliche Absteige und das Schlimmste sind die Leute. Ja, ich seh ja ein, dass wir anders aussehen, wir sind ca. einen Kopf größer als der Durchschnitt, wir haben helle Haut und helle Haare, aber das is verdammt nochmal kein Grund uns anzustarren wie die Tiere im Zoo. Ich war irgendwann so sauer, weil wirklich alle Männer uns so auffällig hinterhergestarrt haben, sich sogar aus dem Auto rausgelehnt haben um uns hinterher zu gaffen und meistens noch irgend einen dummen Satz parat hatten. Wir waren wirklich froh, als wir wieder in Monterrey waren, wo die Leute wieder etwas größer und etwas heller sind und es (wenigstens nicht alle) für nötig halten uns dumm anzulabern und anzugaffen.
Trotz des etwas ätzenden Schlusses, war der Trip aber insgesamt wieder unheimlich schön und wieder komplett anders! Schade dass es der letzte mit den ganzen Franzosen war :-(